Die Sache mit der Autorität
Wenn die Koffer gepackt sind, ist es Zeit Abschied zu nehmen. Unsere Reporterin hat über ein halbes Jahr aus Brüssel berichtet. Jetzt zieht sie weiter.
>>Wenn die Koffer gepackt sind, ist es Zeit Abschied zu nehmen. Unsere Reporterin hat über ein halbes Jahr aus Brüssel berichtet. Jetzt zieht sie weiter.
>>Als ich mit meiner einzigen belgischen Freundin an die Küste Belgiens fuhr, wurde mir etwas bewusst, das man nur realisieren kann, wenn man Brüssel verlässt: Brüssel ist nicht Belgien und Belgien ist nicht Brüssel.
>>Tom ist zehn Jahre alt und geht an eine Zauberschule. Er hat drei Haustiere: Einen Igel namens Herr Igel, einen kleinen Vampir und einen Schaumgeist. Ausserdem besitzt er einen fliegenden Teppich und eine Zauberkugel. Willkommen in der Welt der Gutenachtgeschichten und somit im Universum von Spiel und Fantasie.
>>Als ich mein Zwischenjahr plante, war mir durchaus bewusst, warum dieses Jahr eben ein Zwischenjahr sein würde: Man befindet sich zwischen Gymnasium und Studium, man kann weder rückwärts noch vorwärts, man ist eben zwischendrin. Dieses "Weder-hier-noch-dort-Gefühl" ist ja auch genau das, was man sich für ein Zwischenjahr wünscht. Dass ich mich allerdings nicht nur bezüglich des schulischen Aspekts zwischen zwei Welten gefangen fühlen würde, sondern auf allen möglichen Ebenen, das war mir überhaupt nicht bewusst.
>>Alles, was ich an jenem Donnerstagmorgen wollte, war, in der Pause meines Französisch-kurses einen Kaffee zu trinken und die Toilette zu benutzen. Doch leider war das nicht möglich, wegen zwei Wörtern, die in Brüssel auf Platz eins der meistbenutzen Wörter stehen: Hors service.
>>In einer abgelegenen Seitengasse im Brüsseler Zentrum konnte man vor einigen Tagen Folgendes beobachten: Schnellen Schrittes läuft eine junge Frau mit roten Handschuhen an einem Parkschein-Automaten vorbei. Zuerst lässt sie ihn unbeachtet und läuft ohne die geringste Zuckung daran vorbei. Doch einige Meter nach dem Automaten hält sie inne, überlegt einige Sekunden und dreht sich mit einem diskreten Seitenblick der Parking-Maschine zu. Mit demselben diskreten Seitenblick und möglichst unauffällig zieht sie ihre roten Handschuhe aus und tastet das Innere der Geldrückgabe-Öffnung ab. Nichts. Sie steckt ihre leere Hand wieder in die Jackentasche und läuft weiter.
>>Nichts ist schwieriger, als in Brüssel echte Brüsseler zu treffen. Klingt komisch, ist aber die Wahrheit. Meine Gastfamilie ist deutsch, die Kinder gehen an die europäische Schule und mein soziales Umfeld besteht aus allen Nationalitäten ausser der belgischen.
>>Sprachlos sitze ich am Esstisch. Links und rechts von mir sitzen meine beiden Au-pair-Jungs, acht und zehn Jahre alt, und essen zufrieden ihre Nudeln mit Tomatensauce. Das ist meine Generation, denke ich mir, die beiden sind gerade mal ein Jahrzehnt jünger als ich – und trotzdem: Wenn sie sich unterhalten, verstehe ich nur Bahnhof.
>>Elin Fredriksson lebt für ein halbes Jahr in Brüssel. Als Au-Pair erlebt sie die Stadt auf eine andere Weise als Diplomaten und Touristen. Die erste Frage, die sie zu beantworten hat: Warum macht man sowas überhaupt?
>>