Gesellschaft
 - 02.11.2009

"Mit den Leserzahlen stieg mein Ansporn"

Modeblogging liegt im Trend. Innert kurzer Zeit können sich bisher unbekannte Menschen der ganzen Welt bekannt machen. Dazu gehört auch der 20-jährige Zürcher Pascal Grob.

Audrey Djouadi

Mit dem Internet kann es schnell gehen: Im März fing Grob an zu bloggen, nun erhält er weltweit Beachtung. Fotos: Pascal Grob
Mit dem Internet kann es schnell gehen: Im März fing Grob an zu bloggen, nun erhält er weltweit Beachtung. Fotos: Pascal Grob
Melancholischer Blick im Herbstmantel.
Melancholischer Blick im Herbstmantel.

Ein lauer Herbsttag in Zürich. Pascal Grob nimmt einen grossen Schluck aus seiner Tasse und schaut mich mit fragendem Blick an. Moment, soll nicht ich die Fragen stellen? Der 20-jährige Zürcher wirkt besonnen und irgendwie melancholisch. Pascal Grob ist einer der bekanntesten Schweizer Blogger, doch eigentlich will er was anderes. Oder wollte es zumindest. Ein Jahr Wirtschaftsstudium haben gereicht, um ihm zu zeigen wo seine wirkliche Leidenschaft liegt - in der Fotografie. Deshalb plant er, sich demnächst bei der Zürcher Hochschule der Künste zu bewerben. Doch bis dahin kann sich Pascal voll und ganz auf seinen erfolgreichen Blog "Fashion Bits & Bobs" konzentrieren.

 

Tink.ch: Wie lange führst du deinen Blog schon?

Pascal Grob: Seit diesem Jahr, dem 8. März.

 

Was hat dich dazu bewegt, diesen Blog zu starten?

Mein ursprünglicher Plan war eigentlich einen Blog zu starten, der sich ausschliesslich dem Thema Streetstyle der Schweiz widmet. Leider musste ich früh feststellen, dass ich wohl nicht genügend Leute finden würde, um regelmässig einen Eintrag auf dem Blog zu veröffentlichen. Dann kam mir die Idee, auch Bilder von mir selbst und von eigenen Outfits zu zeigen. Zuerst hatte ich mit einem Profil bei Lookbook.nu angefangen, wo man Outfits von sich selbst zeigt. Da war man aber limitiert auf ein kleines Bild und auch nur eines pro Outfit. Ich wollte mehr zeigen – da kam mir der Blog gerade gelegen. Ausserdem kann man bei Lookbook "Fan" einer Person werden und ich bemerkte mit der Zeit, dass es doch einige Leute gab, die sich wohl für mich und meine Outfits interessierten. Mit den Leserzahlen stieg auch mein Ansporn weiterzubloggen und so kamen noch ein paar weitere immer wiederkehrende Kategorien auf dem Blog hinzu.

 

Was sind die Ziele, die du damit verfolgst?

Der Blog ist eine gute Plattform, um mir ein Gehör bei Leuten aus der ganzen Welt zu verschaffen. Ich kann mich künstlerisch austoben und bin mein eigener Chef. Auch ist es gute Eigenwerbung, denn so kommen immer wieder interessierte Leute mit Anfragen auf mich zu und es ergeben sich neue Bekanntschaften oder Aufträge (oder die American Apparel Werbung), die mir als Student ein bisschen Geld einbringen.

 

Das renommierte Magazin "Teen Vogue" schrieb kürzlich über dich.

Das mit "Teen Vogue" war eine ganz überraschende Angelegenheit. Eines Tages bekam ich eine Mail von jemandem, der bei "Teen Vogue" arbeitet mit folgendem Inhalt: "Hey Pascal, just wanted to let you know that we all love your blog and that you're our newest office crush". Ich fühlte mich natürlich ziemlich geschmeichelt und war insofern überrascht, da sie dann auch das erste Magazin waren, die über meinen Blog und mich berichteten. Sie haben dann eine Woche lang die Kategorie "Girl of the week" in "Boy of the week" für mich umbenannt. Und vor fast zwei Monaten erschien noch ein sehr grosser Artikel im "20min Friday" über mich und meinen Blog und da war ich doch auch ganz stolz darauf – ich musste dann auch feststellen, wie viele Leser so ein Heft tatsächlich hat, als mich immer wieder Leute auf der Strasse erkannten.

 

Gratuliere, aber ich nehme an, du wirst dich nicht dein Leben lang aufs Bloggen beschränken. Was sind deine Zukunftspläne?

Ganz konkret verfolge ich eigentlich den Plan, Fotograf zu werden, weshalb ich mich an der Kunstschule in Zürich für den Studiengang Fotografie bewerben möchte. Es muss nicht mal unbedingt nur Mode sein, wobei Mode wahrscheinlich der Schwerpunkt wäre. Bezüglich des Blogs kann ich da nicht viel sagen – ich werde einfach weitermachen. Klar gibt es ein paar Projekte nebenbei, welche eigentlich erst dank meines Blogs möglich sind zu realisieren, aber die möchte ich hier noch nicht verraten.

 

Wie ist dein Blog aufgebaut?

Ich habe gewisse immer wiederkehrende Kategorien auf meinem Blog, die sich auch rechts in der Sidebar finden lassen: Streetstyle, Bits And Bobs (Outfits von mir), Sunday Entries (die nichts mit Mode am Hut haben müssen – einfach künstlerisch interessant sein sollen), Inspiration (wo ich vorallem Fotos und Editorials von anderen Leuten vorstelle). Momentan sind es nur diese vier, aber es können natürlich jederzeit mehr hinzukommen, denn auch die waren nicht von Anfang an auf meinem Blog existent.

 

Was würdest du Neu-Bloggern anraten?

Generiert vor allem eigenen Inhalt. Es gibt viele Blogs, die einfach nur Zeugs von anderen Blogs oder anderen Websites posten. Da stellt sich halt dann die Frage, wieso man genau ihren Blog besuchen sollte, anstatt die Websites direkt. Natürlich sollte der Fokus auch mehr auf Qualität statt Quantität liegen. Tagebuchartige Einträge am besten weglassen, denn wer interessiert sich schon dafür, was man den lieben langen Tag gerade gemacht hat – ansonsten gäbe es ja noch andere Plattformen dafür, wie zum Beispiel Twitter.

Mehr Artikel von jungen Journalistinnen und Journalisten dank deiner Unterstützung!


Tink.ch gilt als "das" Magazin der Schweiz, bei dem junge Menschen unter 30 Jahren unter professioneller Anleitung ihre ersten Schritte im Journalismus wagen und das journalistische Handwerk erlernen. Das ist nur möglich dank dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher junger Menschen. Wir sind aber auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen, hier und jetzt: Wenn du noch mehr solche Artikel lesen möchtest, unterstütze uns mit einem Beitrag auf unser Postkonto 30-453242-7 (Vermerk "Spende") oder werde Gönnerin oder Gönner. Wir danken herzlich!

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*

*
*