Lieblingsplätze
 - 08.09.2008

Lieblingsplätze - I.: My Place

Auch wenn uns sicher noch einige heisse sommerliche Tage erwarten, schüttelt man sich derweilen wie ein nasser Hund den Regen aus der Kleidung und sucht nach einer gemütlichen Bleibe.

Ruzica Lazic

Bilder: Ruzika Lazic
Bilder: Ruzika Lazic

Jeder der schon lange genug an einem bestimmten Ort gewohnt hat, kennt sie: Seine Lieblingsplätze. Für die einen ist es die Erfüllung jede freie Minute auf der versifften Parkbank neben der Autobahnraststätte zu weilen, andere betrachten das Café um die Ecke als ihr zweites Zuhause und gehen höchstens noch fürs schlafen nach Hause zurück. Oder vielleicht ist einem ein bestimmter Platz besonders gut in Erinnerung, weil sich da einst ein denkwürdiges Ereignis abgespielt hat: Das Lieblingshaustier ist einem da zugelaufen, intime Zärtlichkeiten mit einem/r Seelenverwandten wurden da ausgetauscht oder der Ort versprüht ganz einfach eine magische Energie, der man sich nicht erwehren kann.

In unserer neuen Serie "Lieblingsplätze" berichtet die Tink-Autorenschaft über die Orte, an denen sie sich in Zürich am liebsten aufhalten. Cafés, Badeanstalten, Museen, Pärke oder öffentliche WC`s – wir lassen uns überraschen. Der Startschuss erfolgt diese Woche mit unserer Autorin Ruzika Lazic:

 

Was tun, wenn man schon den ganzen Tag im Regen herumspaziert ist, aus dem Spazieren langsam aber eine verzweifelte Suche nach dem heiligen Gral der gemütlichen Einkehr wird? Oft verirre ich mich in solchen Situationen ins "My Place – Bistro" beim Kunsthaus. Bei schönem Wetter sind die Tischchen vor der Café-Bar mit verliebten Pärchen, einem lässig hingefläzten Jungschauspielhaus-Bohème oder sich angeregt unterhaltenden After Work People besetzt, welche das Treiben, namentlich die Masse an Gymnasiasten zu Stosszeiten oder noch die letzten verbliebenen, ganz alten Trams, aus den Augenwinkeln zur Kenntnis nehmen. Ihr Augenmerk richtet sich denn auch meist auf das Innenleben der Café-Bar. Der Eingangsbereich mit der Bar ist in einem sonnigen Gelb gehalten; die restliche Geräumigkteit ist schlicht weiss stukkatiert und in warmen Licht mit verschiedenen Designlampen ausgeleuchtet. Muss ich noch das tolle, knallrote Kussmundsofa erwähnen, auf dem ich mal sass? Oder die Sixties-Küchen-Sitzgruppe? Nicht unbedingt. Denn das Konzept von Myplace sieht so aus: Suchst du so was wie ein zweites Zuhause, hast du hier ein gemütliches Wohnzimmer. Und wenn dir die Möbel im Retro Stil gefallen – kauf dir ruhig eins. Was jetzt, echt? Ohja.

 

Den Wohnzimmercharakter gestalten die Möbel, alles Secondhand-Designerstücke, welche man jederzeit akquirieren und während dem nach Hause schleppen liebevoll knuddeln kann (ist man stark und ausdauernd genug). Befestigte Preisschilder an den Möbeln verleihen dem Ganzen eine spezielle Atmosphäre. Doch wann reisst mir der Kellner den Sessel unter dem Hintern weg, weil er soeben verkauft wurde?

 

Die moderaten Preise auf den Getränken sind ein angenehmer Nebeneffekt und beim Wein trinken, sollte man es tunlichst vermeiden auf die käuflichen Möbelstücke zu kleckern. Ansonsten herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Dazu empfehle ich noch die ungarisch angehauchten Tapas-Köstlichkeiten, sowie jeden letzten Donnerstag im Monat, wenn’s ein Jazzkonzert gibt. Und gerettet ist jeder Tag, ob verregnet oder nicht.

 

 

Kommentare

Fabian, 26-11-11 16:52:
Prader & knecht treten am Samstag, 17. Dezember 2011, um 20.00 Uhr, im My Place Design & Coffee Shop Zürich auf. Freier Eintritt mit anschliessender Party. DJ-Line Up: Milieu Mauri, Andy the kid, Tonmacher!

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