Kampf unter Brüdern
Am amerikanischen Independent-Himmel leuchtet ein neuer Stern: Der 29-jährige Regisseur Jeff Nichols legt mit "Shotgun Stories" einen gelungenen ersten Spielfilm vor. Darin thematisiert er die Zerstörungskraft der Rache.
"Shotgun Stories" hat das Zeug zum Klassiker. Nicht wegen der Preise, die der Film an internationalen Festivals gewonnen hat. Auch nicht, weil er von einigen Kritikern hochgelobt wurde. Die Geschichte zweier Gruppen von Halbbrüdern, die sich bis zum Tod bekämpfen, ist schlicht genial. Darin kommen vor allem die dunklen Seiten des menschlichen Wesens zum Ausdruck. Am Anfang steht der Tod von Vater Hayes. Er hatte zwei Familien. Die eine von ihnen verliess er vor Jahren. Die andere gründete er, nachdem er mit Trinken aufgehört hatte und der christlichen Kirche beigetreten war. Seine drei Erstgeborenen – die Brüder Son (Michael Shannon), Kid (Barlow Jacobs) und Boy (Douglas Ligon) Hayes – wurden von ihrer Mutter dazu erzogen, ihre vier Halbbrüder zu hassen. So erstaunt es nicht, dass sie an der Beerdigung nicht den Tod ihres Vaters betrauern. Son hält eine Rede darüber, was der Vater ihm und seinen Brüdern angetan hat – und die Fehde ist entbrannt. Denn Cleaman (Michael Abbott Jr.), Mark (Travis Smith), Stephen (Lynnsee Provence) und John (David Rhodes) wollen sich die schönen Erinnerungen an ihren Vater nicht vom Halbbruder zerstören lassen. Einige Tage später wird Kids Hund von einer Schlange tödlich gebissen. Als herauskommt, dass dies das Werk von Mark Hayes ist, eskaliert die Situation endgültig.
Rache kann nicht siegreich sein
"There is no victory in revenge", schreibt der 29-jährige Regisseur Jeff Nichols auf der Internetseite von „Shotgun Stories“. Diese Aussage, die so viel wie „Rache kennt keine Sieger“ bedeutet, beweist der Amerikaner in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm auf eindrückliche Weise. Er zeigt, dass alle Beteiligten verlieren, wenn Rache im Spiel ist. Gerade weil sie kein Ende nimmt und sich stetig ihr nächstes Opfer sucht.
Arkansas als perfekte Kulisse
Bei "Shotgun Stories" stimmt fast alles: Die Schauspieler überbieten sich ihn ihrer darstellerischen Leistung und Arkansas‘ Landschaft mit den weiten Korn- und Baumwollfeldern stellt die perfekte Kulisse dar. Nur ein Punkt ist verbesserungswürdig: An wenigen Stellen zieht sich die Handlung unnötig in die Länge. Dort würde ein wenig mehr Geschwindigkeit guttun. Daran ändert leider auch die eindrückliche Filmmusik von Ben Nichols und seiner Band Lucero nichts. Das Ende der Geschichte wiederum erhält zu wenig Platz. Die Handlungsstränge lösen sich zu schnell auf, so dass die wichtige Botschaft am Schluss fast untergeht. Trotzdem ist "Shotgun Stories" ein starkes Stück amerikanisches Independent-Kino.
Info
"Shotgun Stories" startet am 7. August in den Deutschschweizer Kinos.





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